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Der Patient ist das Mittel zum Zweck - also die Ressource - um Profite zu erwirtschaften!

Rund 344 Milliarden Euro wurden gem. den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in 2015 für „die Gesundheit“ in Deutschland ausgegeben. Zum Vergleich: der Bundeshaushalt 2015, der am 27. November 2014 beschlossen wurde, belief sich auf rund 299 Milliarden Euro. Im Gesundheits-Sektor wird also mehr Geld bewegt als die Bundesregierung für alle hoheitlichen Aufgaben – von Verteidigung, über Wirtschaftsförderung, bis hin zu Infrastruktur – in einem Jahr ausgibt. Der weltweite Umsatz der deutschen Automobil-Industrie belief sich 2015 auf 404 Milliarden Euro (gem. Statistischem Bundesamt), davon 114 Milliarden Euro im Inland. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass der Gesundheits-Sektor – gemessen am Jahresumsatz - einer der größten, wenn nicht sogar der größte, Industrie-Zweig in Deutschland ist.

Um eine Industrie am Laufen zu halten und um so viel Umsatz zu generieren, bedarf es der entsprechenden Ressourcen. In diesem Fall ist die Ressource der Patient – also ein Mensch, der krank ist und der der ärztlichen Hilfe bedarf um seine Gesundheit wieder herzustellen oder seinen Gesundheitszustand zumindest zu verbessern. Wenn nun das Gesundheits-System – wie bei uns in Deutschland im Fall der Krankenhäuser – nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeitet, mit der Absicht Gewinne zu erzielen, dann ergeben sich daraus große ethische und moralische Probleme, wie sie z.B. auch in diesem Beitrag des NDR vom 6.11.2017 dargestellt werden: Krankenhäuser: Profit mit Patienten

Das schlimme für Sie als Patient ist: Sie sind in 99% der Fälle gar nicht in der Lage zu erkennen ob Ihr Arzt Sie in eine bestimmte Richtung drängen will. Sie hören schlimme Nachrichten über Ihren Gesundheits-Zustand und glauben der Experten-Meinung, da dieser Experte verspricht das Problem mit Hilfe der von ihm vorgeschlagenen und durchgeführten Maßnahmen (z.B. eine Operation) für Sie zu lösen. Es gibt erstmal keinen Grund an diesem Urteil zu zweifeln, zumal der Arzt in Deutschland ja auch immer noch eine Autoritäts- bzw. Vertrauens-Person ist, dem man zunächst ein gewisses „Ur-Vertrauen“ entgegenbringt.

Dieses Ur-Vertrauen ist in den meisten Fällen nicht mehr gerechtfertigt. Ja, es gibt sie noch die vertrauenswürdigen Ärzte, die das Wohl der Patienten über ihr Ego oder über ihren Geldbeutel stellen, aber auch diese Kollegen stehen ständig unter dem Druck Profite erwirtschaften zu müssen. Der Rest hat sich dem vermeintlichen „Kosten-Druck“ ergeben um weiter arbeiten zu können, oder ist sogar selbst aktiver Spieler in diesem Kreislauf und macht somit Sie, den Patienten, zu einer wertvollen Ressource bei dem Ihre Gesundheit nur das Mittel zum Zweck ist, um Geld verdienen zu können.

Eine alte Verkäufer-Weisheit ist, dass man Kunden sehr gut über Angst zu einem Kauf motivieren kann. Sie – als Patient – sind in diesem Moment in der denkbar schlechtesten Verhandlungs-Position. Sie haben ggf. Angst um Ihr Leben und um Ihre Gesundheit und stehen einem gewieften und erfahrenen Verkäufer gegenüber, der Ihnen die Lösung all Ihrer aktuellen gesundheitlichen Probleme verspricht. Dem Fachwissen und der Erfahrung haben Sie in dem Moment nicht entgegenzusetzen, und so ist es in diesem System ein Leichtes Ihnen etwas zu verkaufen, was sie am Ende ggf. gar nicht brauchen oder wollen.

Genau dieses Bild sollten Sie beim nächsten Arztbesuch vor Augen haben: vergessen Sie Ihre Vorstellung von „lieben Onkel Doktor“! Sie gehen zu einem Dienstleister, der sich auf Gesundheits-Fragen spezialisiert hat, der Ihnen etwas verkaufen will und der mit Ihrer Krankheit oder Ihrem Gesundheits-Problem Geld verdient und nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten handelt. Diese Person gibt Ihnen einen ärztlichen Rat – so wie Ihnen ein Rechtsanwalt eine Empfehlung in juristischen Fragen gibt – aber keine ärztliche Anweisung, auch wenn die Herrschaften sich gerne so gerieren als könnten Sie Ihnen die Entscheidung abnehmen oder Befehle erteilen …

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Quellen: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 061 vom 21.02.2017