MRgFUS-Banner

Im November 2015 gab es eine fürchterliche Serie von Terror-Anschlägen in Paris, bei dem über 100 Menschen (die Zahlen in den Medien schwanken zwischen 120 und 150) getötet und mehrere Hundert verletzt wurden. In Folge der Anschläge hat der französische Präsident für zunächst 3 Monate den Ausnahme-Zustand ausgerufen, den Terror-Akt als kriegerischen Angriff bezeichnet, das Militär in Alarmbereitschaft versetzt und die Landesgrenzen geschlossen. Das französische Militär hat Luftangriffe gegen Ziele des IS geflogen, der europäische Bündnisfall wurde ausgerufen, die gesamte westliche Welt hat tiefe Trauer und ihre Solidarität bekunden und die Angriffe als Akt der Barbarei und Angriff auf die gesamte freie Welt bezeichnet. In vielen Ländern wurde offiziell getrauert (Staatstrauer), Spitzenpolitiker gaben ihre Statements in den Medien ab, die Bürger waren (bzw. sind noch) geschockt, in den Sozialen Medien gab es nur noch ein beherrschendes Thema.

So weit so schlecht, auch ich verurteile die Angriffe in Paris (und auch den Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“) als barbarischen, terroristischen Akt und als Angriff auf meine Werte und persönliche Freiheit. Das tragische für mich ist jedoch auch:

Rein statistisch betrachtet können hinsichtlich der Todesfälle, der verletzten und verstümmelten Menschen, dem zugefügten Leid, den Schäden an Lebensqualität, Gesundheit und der Psyche die unnötigen Operationen – allein bezogen auf die unnötig durchgeführten Hysterektomien – zumindest locker mithalten, bzw. je nach Betrachtungsweise deutlich übertreffen, die Statistik spricht da eine eindeutige Sprache:

In 2013 wurden 130.000 Hysterektomien durchgeführt. Davon sind – Experten zufolge – zwischen 60 und 90% unnötig, mit Tendenz zu den höheren Prozentsätzen. Meistens wird die Zahl 80% verwendet, die ich in diesem Rechenbeispiel nun auch übernehmen will. Legt man eine Letalität von 0,25% zu Grunde und geht man davon aus dass nur 5% der Hysterektomien für die Patientin operationsbedingte Folgen haben (z.b. Inkontinenz – im „harmlosesten“ Fall“), dann kamen durch unnötige Operationen in 2013 260 Menschen ums Leben und über 5000 Patientinnen leiden bis an ihr Lebensende an den Folgen dieser Operation und es wurde ein Umsatz (nur mit den Operationen) von knapp einer halben Milliarde Euro (bei einer Fallkosten-Pauschale von 4500 € pro OP) erwirtschaftet.

Das für mich tragische ist: bei einem plötzlichen Ereignis, wie den Anschlägen von Paris, trauert die gesamte freie Welt, die Armee wird mobilisiert, Bomben werden geworfen. Das Thema „unnötige Operationen“ jedoch interessiert (trotz ausreichender Berichterstattung in den Medien!) auf gut Deutsch „keine Alte Sau“. Muss ich das verstehen? Nein – ich versteh es nicht und ich will es auch nicht verstehen.

Und wenn man noch einen draufsetzen will: betrachtet man die Zahlen seit den 90ern des letzten Jahrhunderts, dann sind in den letzten 20 Jahren über 6000 Menschen durch unnötige Hysterektomien (nur in Deutschland) ums Leben gekommen (0.25% Letalität, eine von 400), über 100.000 Menschen leiden an den Spätfolgen (5%) – das übertrifft die Folgen von „9/11“ um mindestens das Doppelte. Die Folgen von „9/11“ waren unter anderem: ein Krieg (Afghanistan, der noch nicht beendet ist), Hunderttausende von Soldaten haben Zehntausende andere Kämpfer getötet.

Im Bezug auf die unnötigen Operationen hat sich die letzten 20 Jahre NICHTS geändert. Wir haben Angst vor Terroristen, verschärfen unsere „Sicherheitsvorkehrungen“, schränken Grundrechte ein – alles zu unserer „Sicherheit“. Wir sind bereit jeden in Grund und Boden zu bomben der einen langen Bart trägt, und einen Koran und eine Kalaschnikow bei sich trägt, aber gehen zu unseren Ärzten und haben in den meisten Fällen nicht mal im Ansatz den leisesten Zweifel ob seine Empfehlung zur Operation vielleicht doch nicht unbedingt zu unserem Besten ist.

Wär ich jetzt ein hemmungsloser Zyniker wäre ich fast geneigt zu sagen: der IS muss gar nicht bomben um uns in Angst und Schrecken zu versetzen, im Gegenteil, das ist sogar kontraproduktiv, denn es lenkt unsere Aufmerksamkeit nur wirksam von dem Schaden ab, den wir uns tagtäglich selbst zufügen. Eine wirklich gut vorbereitete, durchdachte auf Argumenten, Tatsachen und stichhaltigen Beweisen (und das lässt sich alles finden, die Zahlen liegen vor, amtlich geprüft …) basierende breit angelegte Medien-Kampagne mit der uns vor Augen geführt wird was wir uns stillschweigend selbst antun würde meiner Meinung nach schon ausreichen um das Werte-, Sozial- und Wirtschaftssystem unserer Gesellschaft nachhaltig ins Wanken zu bringen.