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Wie schon in diesem Blog-Beitrag erwähnt bin ich bei meinen Recherchen zum Thema „unnötige Hysterektomien“ auf einen Artikel im Spiegel aus dem Jahr 1994 gestoßen. Dieser Artikel lässt neben den rein fachlichen Themen auch sehr tief in die Gedankenwelt der Gynäkologen von damals blicken:

[…] Die beiden Chefärzte propagierten, wenn eine Frau genügend Kinder geboren hatte, die „präventive Entfernung“ des dann „nutzlosen Reproduktionsorgans“. Andere Kollegen wie der Münchner Professor Hans-Jürgen Kümper zogen nach und werteten „Angst vor Krebs oder Schwangerschaft“ schon als hinreichende Gründe für eine Hysterektomie. Vorteilhaft sei der Eingriff auch, weil sich danach die Frau „dem Mann nicht mehr zu bestimmten Zeiten verschließt“.

Die Krankenkassen, die für solcherlei Indikationen nicht aufkamen, wurden beschummelt. Die Ärzte schoben ihnen, wie der Freiburger Gynäkologie-Professor Albrecht Pfleiderer 1988 freimütig auf einer Tagung erklärte, „rein prophylaktische oder nur zur Geburtenkontrolle vorgenommene Hysterektomien“ unter falschen Angaben zur Abrechnung unter. […]

Quelle: Der Spiegel: "Das gibt sich wieder" - 21.11.1994

Man muss sich an dieser Stelle durchaus mal fragen wie sicher sich diese Herrschaften eigentlich fühlen müssen um mehr oder minder öffentlich einen Abrechnungsbetrug zuzugeben, ohne mit Schimpf und Schande aus ihrem Beruf gejagt zu werden bzw. ihre (Kassen-)Zulassung zu verlieren. Offensichtlich gab es einen starken – in meinen Augen kriminellen – Background ohne jedwedes Unrechtsbewusstsein, der diesen Herren das Gefühl gab sich das herausnehmen zu dürfen. Drogenbaronen in Kolumbien sagt man nach ein ähnliches Gebaren an den Tag zu legen.

Nun kann man dies als „alten Hut“ abtun, immerhin sind seit dem Artikel im Spiegel bereits mehr als 20 Jahre ins Land gegangen, man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass diese Personen die Gynäkologen u. Chefärzte von heute ausgebildet haben. Und so darf man sich nicht wundern, wenn auch heute noch die Mediziner nichts schlimmes an der Aussage finden: „die Frau ist alt, die braucht ihre Gebärmutter ja nicht mehr, da können wir den ganzen Mist ja einfach wegschneiden“ und keinerlei Verständnis dafür aufbringen können, dass eine Patientin so einem Eingriff nicht ganz so viel Begeisterung entgegen bringt wie ihr behandelnder Arzt (der Geld damit verdient). Diese Haltung trifft man übrigens sowohl bei Gynäkologen als auch Gynäkologinnen …

Wirklich pikant ist auch die Aussage dass eine Hysterektomie schon allein deshalb angebracht sei, damit >>sich die Frau nach dem Eingriff dem Mann nicht mehr zu bestimmten Zeiten verschließt.<< Ich übersetze das mal in eine etwas härtere Sprache: Prof. Kümper empfiehlt die unnötige Entfernung eines Organs (= vorsätzliche schwere Körperverletzung nach §223 StGB, die Verstümmelung der Patientin, Verbunden mit dem Risiko evtl. in Folge der OP zu sterben oder ggf. schlimme Folgen ertragen zu müssen) durch eine große Operation, nur zu dem Zweck damit der Ehemann hinterher (sofern die OP ohne Folgen blieb) jederzeit ficken kann! Geilomat! Noch deutlicher kann man – glaube ich – nicht mehr indirekt seine wahren Motive zum Ausdruck bringen ohne explizit zu werden. Die Nachwirkungen dieser Geisteshaltung kann man Tag für Tag in der Frauenheilkunde am eigenen Leib erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes.

Da sich offensichtlich in den letzten 20 Jahren auf diesem Gebiet fast nichts geändert hat und immer noch jede Frau hysterektomiert wird, die nicht bei 3 auf den Bäumen ist stellt sich mir die Frage: Warum hat unsere Gesellschaft in dieser Richtung absolut nichts dazu gelernt? Warum werden von der breiten Masse der Bevölkerung solche Themen – obwohl quasi in allen Medien ständig und auch in ausreichendem Umfang darüber berichtet wird – so existentielle und ggf. lebensverändernde Themen de facto vollständig ignoriert? Ich verstehe es ehrlichgesagt nicht!